Klangbad? Wo ist meine Badehose?
OKTOBER HIGHLIGHTS

MEINE FRAU SAGT: DAS TUT DIR GUT! Fredy Gnehm entdeckt die Yoga Academy Winterthur.
Klangbad? Wo ist meine Badehose?
Meine Frau besitzt keine medizinische Ausbildung. Trotzdem stellt sie bei mir regelmässig Diagnosen. Meistens dann, wenn ich ihrer Meinung nach zu wenig Beweglichkeit, Energie oder Achtsamkeit und zu viel Meinung habe. Neulich musterte sie mich beim Frühstück und sagte: «Fredy, du solltest wieder einmal etwas für dich tun.» Das ist ein gefährlicher Satz. Wenn meine Frau sagt, ich solle etwas für mich tun, meint sie meistens etwas, das hauptsächlich ihr guttut. «Ich tue ständig etwas für mich», sagte ich. «Gestern habe ich zwei Stück Schwarzwäldertorte gegessen.»
«Du brauchst innere Ruhe.»
«Ich bin pensioniert. Ich habe vormittags Ruhe und erhole mich nachmittags davon.» Sie legte mir einen Flyer der Yoga Academy Winterthur hin und zeigte auf ein Angebot: Klangbad.
«Das tut dir gut», sagte sie. Damit war die Diagnose abgeschlossen und die Therapie angeordnet. Ich las das Wort dreimal. Ein Bad mit Klang? Ich stellte mir eine grosse Wanne vor, in der man zu entspannender Musik herumdümpelt. Walgesänge. Panflöte. Oder Andrea Bocelli unter Wasser. Vielleicht war es eine moderne Form des Thermalbads: Statt Sprudeldüsen stehen Lautsprecher am Beckenrand. Bei tiefen Tönen wird der Rücken massiert, bei hohen entkalkt es die Ohren.
«Muss ich Badehosen tragen?», fragte ich. Meine Frau sah mich an. «Fredy, informiere dich doch.» Ich informierte mich. Allerdings nur so lange, bis ich im Internet auf das Wort «Klangwellen» stiess. Damit war für mich klar: Es gibt Wasser. Wellen ohne Wasser wären Etikettenschwindel.
Am Tag des Klangbads ging ich extra duschen. Das mache ich vor dem Schwimmbad auch. Man möchte schliesslich einen gepflegten Eindruck hinterlassen, bevor man sich mit fremden Menschen in dasselbe Wasser begibt. Dann packte ich Badehose, Badetuch, Badeschlappen, Schwimmbrille und den Hotelbademantel ein, der sich seit 2018 versehentlich bei uns befindet. Zusätzlich nahm ich Ohropax mit. Man weiss ja nie, wie laut so ein Klangbad wird. Meine Frau entdeckte die Schwimmflossen. «Was willst du mit denen?»
«Falls es tief ist.» Sie küsste mich auf die Stirn, als würde ich zu einer Expedition aufbrechen, deren Rückkehr nicht gesichert war.
In der Yoga Akademie war es angenehm warm. Das sprach für meine Badetheorie. Dann sah ich die Matten. Keine Wannen. Kein Becken. Nicht einmal eine Dusche. Nur Decken, Kissen und Menschen in bequemer Kleidung, die aussahen, als hätten sie schon vor Kursbeginn weniger Probleme als ich. «Wo sind die Umkleidekabinen?», fragte ich. Die Kursleiterin lächelte. «Du kannst so bleiben, wie du bist.»
Das hatte meine Frau zuletzt vor unserer Hochzeit gesagt. Heute weiss ich: Solche Aussagen haben ein Verfallsdatum. Wir legten uns bekleidet auf die Matten. Vorne standen mehrere Klangschalen und andere Instrumente. Die Kursleiterin erklärte ruhig, was geschehen würde – ohne jene feierliche Stimme, bei der man befürchtet, gleich müsse man seine innere Seerose beim Vornamen nennen.
Dann begann es. Der erste Ton erinnerte mich an unsere alte Waschmaschine kurz vor dem Schleudergang. Nur schöner. Ein anderer klang wie die Kirchenglocke am Sonntagmorgen, wenn man sich im Bett umdreht und beschliesst, auch ohne persönliche Anwesenheit ein guter Mensch zu sein. Ein tiefer Ton vibrierte durch den Boden bis in meinen Rücken. Es war ein bisschen wie damals, als vor unserem Haus die Strasse aufgerissen wurde – nur dass ich diesmal nicht ans Fenster musste, um den Arbeitern zu erklären, wie man es richtig macht.
Langsam wurde es still in meinem Kopf.
Zuerst dacht ich noch an die Krankenkasse, den tropfenden Wasserhahn und daran, ob man Badeschlappen als Gesundheitskosten abziehen kann. Dann waren die Gedanken plötzlich weg.
Da war nur noch ein heller Ton, der langsam im Raum verschwand. Für einen Moment musste ich nichts planen, nichts beurteilen und niemandem erklären, wie etwas eigentlich gemeint war. Das kannte ich bisher nur vom Mittagsschlaf. Aber dort wache ich meistens auf, weil mir die Zeitung aufs Gesicht fällt. Ich war übrigens nicht eingeschlafen. Ich habe lediglich sehr tief entspannt und dabei aus therapeutischen Gründen leise geschnarcht.
Als die Stunde vorbei war, fühlte sich mein Rücken leichter an. Sogar meine Schultern waren wieder ungefähr dort, wo die Natur sie vorgesehen hatte. «Wie geht es dir?», fragte die Kursleiterin. «Gut», sagte ich. «Also nicht beunruhigend gut. Einfach normal gut.»
Ich würde nicht behaupten, das Klangbad habe mich transformiert. Transformationen sind etwas für Raupen, Immobilien und Leute mit Vorher-nachher-Fotos. Aber ich war ruhiger.
Später trug ich den nächsten Termin in meinen Kalender ein – unter dem neutralen Titel «Schwingfest». Man muss sein Umfeld nicht gleich mit persönlicher Entwicklung erschrecken. Am Abend betrachtete mich meine Frau misstrauisch. «Du widersprichst mir gar nicht.»
«Nein.»
«Und du zappelst nicht mit dem Bein.»
«Nein.»
Sie legte mir die Hand auf die Stirn. «Geht es dir wirklich gut?»
«Ja.» «Dann hat dir das Klangbad also gutgetan.»
«Kann sein», sagte ich und holte die Schwimmflossen aus der Tasche. «Aber nächstes Mal frage ich nochmals wegen des Beckens. Ich habe mich schliesslich nicht umsonst geduscht.»
Klangbad in Kürze: Harmonische Schwingungen verschiedener Klangschalen umhüllen den Körper, lösen tiefsitzende Verspannungen und führen den Geist in eine heilsame, meditative Ruhe.
Karin van Santen ist Klangmeisterin und bietet einmal Monatlich Freitag abends ein Klangbad an. Probiere es einmal aus und reserviere dir deine Lammfell-Matte!





